Fairtrade

Fair ist ein Wort, das wir alle kennen, und viele gleich an Fairtrade denken. Aber wie fair ist Fairtrade wirklich?

Ist es wirklich nur eine Marktidee von ein paar Konzernen, oder gibt es doch die einen oder anderen, die auch wirklich faire Löhne bekommen? Warum stehen wir Europäer uns so auf Fairtrade Produkte? Geht es uns wirklich darum, etwas Gutes zu tun, oder wollen wir nur unser Gewissen erleichtern? Auch wenn man uns so oft versichert hat, das auf verschiedenste Standards Wert gelegt wird, so ist doch meist das Gegenteil wahr. Deswegen erwartet man sich doch auch bei so einem Projekt wenigstens etwas Transparenz! Weit gefehlt. Allerdings klingt in der heutigen Zeit das Wort Transparenz sowieso wie ein Witz!

 

Dann steigen wir gleich mal direkt in die Goldgrube mancher Konzerne, wie Rewe, Spar oder Mpreis ein.

Mit dem bekannten Fairtrade-Siegel bekommen gleich alle gehandelten Produkte damit eine humanere Verkleidung. 600 Produkte mit diesem Siegel befinden sich in den verschiedensten Geschäften Österreichs.

Über 80 % kommen von sehr weit her. Jährlich werden mit Fairtrade Produkten 90 Millionen Euro umgesetzt,

mit einem Jahreswachstum von 13 Prozent, und die Nachfrage steigt und steigt. Wir von Zeitsinn haben den großen Ketten geschrieben und sie gefragt, was Fairtrade für sie ist. Antwort Rewe: „Die Konsumenten und Konsumentinnen wollen ethisch korrekt einkaufen und konsumieren, dieses Bedürfnis wollen wir befriedigen.“ Aber gibt es dafür auch Beweise oder nur heiße Luft?

Der wichtigste Rohstoff für Fairtrade Handel ist Kaffee. In der Region Matagalpa (Nicaragua) leben die meisten Kaffeebauern. Der Kaffee, den wir in Österreich konsumieren, kommt aus dieser Region. Viele der Fairtradebauern verdienen gerade einmal 25 Euro mehr im Monat als die "normalen" Bauern.

Auch in Nicaragua ist das zu wenig, um eine Familie zu ernähren. Melba Flores Riba Kaffeebäuerin:

„Der Preis ist nicht wirklich fair, nein. Die Arbeit ist sehr mühsam, die Einnahmen durch den Kaffee reichen

nicht für die ganze Familie. Wir sollten mehr bekommen für die Kaffeebohnen, denke ich.

Das ist nicht gerecht! Wir hätten gerne etwa

160 Euro für den Zentner.“ Auch bei den meisten Fairtrade Exporteuren bekommen die Angestellten nur den Mindestlohn, das heißt, 100 Euro im Monat. Und von den 100 Euro gehen schon mal über 2/3 für das Essen drauf, also von fairen Verhältnissen würde ich hier nicht sprechen.

So, dann schauen wir mal weiter zur bekannten Kaffeehaus Kette Starbucks, dieser Konzern ist der größte Einkäufer von Rohkaffee weltweit. Auch hier ist das Fairtrade Siegel überall sichtbar. Für Starbucks heißt aber fair nur, dass Produzenten ihre Erträge steigern sollen. Kurze Erklärung, die Kaffeebauern sollen ihre Kiloanzahl monatlich steigern, dadurch würden sie auch viel mehr einnehmen. Natürlich nur mit der besten Qualität, und so lang es nur geht, so der Konzern.

Für einen Kilo Kaffee muss aber 5 Tage gearbeitet werden. Der Kaffee wird bei einem Vertrieb verpackt und bekommt das Siegel verpasst. Aber nach Angaben vieler Bauern nur jeder 5. oder sogar 10. Sack. Laut einem Vertreiber war das Übernehmen von dem Siegel nur ein Nachteil für die Bauern, da sie hohe Zertifizierungspapiere kaufen mussten. Im ersten Jahr bekamen sie eine Prämie, dann gingen sie zwei Jahre

fast leer aus und mussten dann wieder zertifizieren. Sie sollten ständig an Starbucks für die Zertifizierungen

vom Siegel zahlen. Also zahlt man nur für das Siegel?

Es gibt auch schon einige Umfragen und Studien, die sehr klare Strukturen zeigen und zu diesen Ergebnis kam man: Marken, die das Siegel übernehmen, steigern dadurch ihren Umsatz. Wir haben uns mal schlau gemacht, ob es Fairtrade auch in anderen Ländern gibt, oder nur im europäischen Raum. Knapp 80% der Fairtrade Produkte wird in Europa verkauft.

So, und wo gibt es jetzt wirklich Fairtrade und wie funktioniert er? Da sehr viel Geld bei den Zwischenhändlern liegen bleibt, umgehen einige Bauern diese Masche und versuchen es anders. Der Österreicher Roland Spendlingwimmer gründete einen Verband von 40 Kaffeebauern, sie verkaufen direkt nach Europa. Ohne Fairtrade, den Käufer kennen sie persönlich, und er zahlt einen fairen Preis, da er sich sicher ist, dass er die Richtigen unterstützt. Eine Zertifizierung haben sie nicht, das Geschäft beruht auf Vertrauen. Es würde keinen Sinn machen, ein Label zu kreieren und es zu zertifizieren, da das 3000 $ kostet. Verkauft wird an Kaffee Libertad mit Sitz in Hamburg. Also sollten wir vielleicht mal nachdenken, ob wir nicht lieber Produkte von

solchen Kleinunternehmern erstehen, die Menschenrechte und Fairness eher wahren ;-)