dump_divingWir von der-die-das haben einen Nachmittag lang Martin, vulgo „Sillindianer“, einen sogenannten „Dump Diver“ (zu Deutsch „Mülltaucher“) begleitet. Ein Dump Diver holt verwertbare – sprich: hochwertige – Lebensmittel aus den Abfallcontainern der Supermärkte. Diese Lebensmittel werden auf Grund von Mindesthaltbarkeitsdaten bzw. schlicht oder einfach aus Gründen des Überschusses weggeworfen. Diese Art zu tauchen ist auch unter Namen wie: „Containern, Dumpstern, Mülltauchen oder Freeganismus“ populär.
Was Martin da aus den Containern zog, ließ einem nach der ersten groben Reinigung der Lebensmittel das Wasser im Munde zusammenlaufen. Abgesehen von dem vielen Obst und dem Brot holte er auch Wurstwaren und Knabbergebäck, Milchprodukte, Instantkakao und Schokolade hervor, nur um einiger der Produkte zu nennen.

Nicht immer verläuft so ein „Tauchgang“ ohne Probleme, es werden schon mal harte Worte von Seiten der verantwortlichen SupermarktfilialleiterInnen an die Lebensmittelverwerter ausgesprochen.

Warum er das denn mache, fragten wir Martin: „Ich will durch diese Aktionen in erster Linie darauf hinweisen, in welch einer Wegwerfgesellschaft wir leben. Auf der einen Seite verhungern tagtäglich Tausende von Menschen, und hier und in fast allen Industrienationen werden Lebensmittel zum Teil überproduziert, um sie dann wieder wegzuwerfen. Natürlich macht es mich auch froh, diese Lebensmittel, die ich da aus den Containern hole, wieder weiter zu geben, natürlich gratis.“

An manchen Tagen kann man ihn im Innsbrucker Hofgarten auf der Liegewiese antreffen wo er aus seinem Fahrradanhänger die „ertauchten“ Nahrungsmittel an Menschen weitergibt, die des Weges kommen. Oft spendet er auch seine Waren an soziale Eirichtungen. An diesem Tag allerdings baute er einen Stand in einer Innsbrucker In-Diskothek auf, wo die Tanzfreudigen sich zu Goa-Musik bedienen konnten. Jeden Freitag, übrigens.

Was noch vor ein paar Jahren Menschen, die auf der Straße lebten, vor dem Verhungern rettete,

entwickelt sich nun in eine sozialpolitische Bewegung. Leute, die sich dem Konsum verweigern, boykottieren so die Wegwerfgesellschaft. Überall in großen Städten, ob in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Italien… sind Studenten, Arbeiter und sozial Schwache immer häufiger bei diesen Containern anzutreffen, meist in der Nacht, da die Scham, dabei gesehen zu werden, für die meisten dieser Menschen unzumutbar ist.

Anmerkung der Red.
„Hut ab vor Martin, dem Sillindianer“


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